Kapitel 1 – 1959 Das Leben beginnt

Kapitel 1 – 1959 Das Leben beginnt

Am 4. Dezember 1959, so sagt die Geburtsurkunde jedenfalls, erblickte ich das Licht der Welt. In Wiesmoor-Hinrichsfehn im Kreis Aurich. Es gibt so unendlich viele Variationen, die sich um meinen Geburtsort einstmals in meiner Familie ranken, daß ich eigentlich gar nicht sagen kann, was wirklich los gewesen ist. Natürlich habe ich keinen Funken eigene Erinnerungen an meine Geburt. Selbst beí Oma und Opa, den Eltern meiner Mutter, konnte ich eigentlich keine Fotos aus der Zeit aus Wiesmoor finden. Keiner kann mir sagen, wie ich da hinkam oder wie es sein kann, daß ich im Allgäu. im Hause meiner Großeltern mütterlicherseits, meine ersten eigenen Erinnerungen habe. Niemand scheint zu wissen oder wissen zu wollen wie ich nach Ostfreisland kam, aber im Allgäu aufgewachsen bin. Niemand konnte mir in den letzten Jahrzehnten wahrheitsgetreu sagen, wie ich denn dann eigentlich vom hohen Norden, plötzlich in den tiefsten Süden kam.

Wenn das Leben schon so abenteuerlich beginnt, dann wundert mich jetzt eigentlich nicht, daß mein Leben durch und durch ein Abenteuer nach dem anderen nach sich gezogen hat. Aber ich will ja anderen späteren Kapiteln nicht hier schon gleich vorgreifen. Jedenfalls begann mein Leben dort und ich kann aus eigener Erfahrung nicht einmal etwas darüber sagen. Schade eigentlich, wenn ich mit anderen Menschen zusammen sitze und wir über unsere Geburten reden, dann kann ich halt seit nahezu 60 Jahren nicht mitreden, da ich einfach keine eigene Geschichte habe. Mir wurden nur sehr wenige Dinge über meine Geburt erzählt und ich kann nicht einmal den Wahrheitsgehalt für mich selbst prüfen oder nachvollziehen.

Was mit erzählt wurde ist das ich in einem kleinen Haus neben einer sehr großen Blumengärtnerei geboren wurde. Nun ich war einmal dort und dachte, vielleicht könne ich ja mein Geburtshaus entdecken. Ich habe zwar eine Blumengärtnerei gefunden, aber da kannte man mich gar nicht und darum herum sind einige kleinere Häuser, und keiner weis, wo ich wohl geboren wurde. Also kann ich nicht einmal mein Geburtshaus finden. Es wurde mir in jungen jahren oft gesagt, daß ich wie es damals eher üblich war zu Hause und nicht in einer Klinik geboren. Angeblich war es eine dicke Hebamme, die gern ebenso dicke Zigarren rauchte, die meiner Mutter bei der Geburt behilflich gewesen sei. Ob es stimmt weis ich nicht sicher, es kann gut sein, daß Verwandte mich in jungen Jahren damit wohl eher scherzhaft aufziehen wollten, daher ist der Wahrheitsgehalt mit Vorsicht zu genießen.

Ich kann daher erst an dem Punkt beginnen, wo ich eigene Erinnerungen habe. Erinnerungen an früheste Kindheitserlebnisse. Mein Opa (der Vater meiner Mutter) und meine Oma haben mich wohl groß gezogen. Ich erinnere mich von frühester Kindheit an das Haus von Opa in Bühl am Alpsee. Ein sehr altes und für damalige Verhältnisse mittelgroßes Haus. Im Untergeschoß waren Küche und Kellerräume untergebracht. Ich erinner emch an das kleine Küchenfenster das beim kochen immer geöffnet stand damit der Qualm des bullernden Ofens und die Kochgerüche gleichzeitig abziehen konnten. Oft saß ich auf dem Fußboden und schaute Bilderbücher an während Oma kochte oder andere Marmelade aus Gartenfrüchten einkochte.

Das romantisch gelegene Häuschen zwischen hohen Tannenbäumen was an der Rieder Steige in Bühl am Alpsee gelegen. Leider scheint niemand mehr Bilder aus dieser Zeit zu haben. Ich habe daher auf einer Landkarte den Punkt markiert an dem das Häuschen einst gestanden hat.

Ein großes Stück Wiese, gesäumt von Omas liebsten Dahlien, von denen ich immer die reifen Samen in ein kleines Eimerchen absammeln durfte. Dieser war seitlich und oberhalb des Hauses. Auf der oberen Wiese war auch ein kleiner, zwischen hohen Gräsern von Opa eingefasster Goldfischteich, der mich immer wie ein Magnet angezogen hatte. Hier hätte ich auch beinahe schon in jungen Jahren das erste mal mein Leben verloren. Wie mir später erzählt wurde sollte meine Mutter die zu Besuch gekommen war auf mich aufpassen, nur der kleine Martin war schneller weg als man denken kann, und schwups war ich auch schon in den Teich gefallen. Noch heute sehe ich manchmal in Täumen die schwimmenden Goldfische über mir, dann kam eine kräftige Hand durch die Wasseroberfläche und zog mich heraus. Dann wird es immer Dunkel und als nächstes erinnere mich im Bett zu liegen und der herbeigerufene Dorfarzt neben mir am Bett stehen und zu meinem Opa gewandt sagen “Er wird schon wieder!” und dann ist mein eigener Traum immer zu Ende.

NEUE FORTSETZUNG AB HIER:

Ich erinnere mich an so vieles aus meiner Kindheit von diesem ersten Haus meiner Großeltern. Ich liebte schon als Kleinkind die Ruhe und Natur der Berge, der Almen, dem Rauschen der wippenden Tannenbäume im Wind auf dem Rücken liegend im Gras zuzusehen, die vorbeiziehenden Wolken über die Bergketten verschwinden oder auftauchen zu sehen. Eigentlich konnte man weder wohl behüteder noch mit mehr Liebe umhüted werden. Niemals könnte ich diese Eindrücke jemals schmälern, auch könnte ich das Glück an meine Erlebnisse an diese ersten Kindheitsjahre jemals verleugnen oder verfälscht darstellen. Viel zu kostbar waren diese tiefen Eindrücke.

Bevor ich einige dieser Erlebnisse zu beschreiben versuchen werde, möchte ich nun ausdrücklich meine Leser darauf hinweisen, daß meine deutschsprachigen Leser sicher das Allgäuer Land auf irgend eine Weise schon gut kennen, aber vor allem meine Afrikanischen Freunde jasabn keinen blassen Schimmer Ahnung wovon wir hier reden. Ich will daher bewußt auf einige DInge tiefer eingehen um diese den Afrikanischen Brüdern und Schwestern der anderen entfernten Nationen ebenso Nahe zu bringen, wie wir das auch hier selbst kennen.

Eines der wohl ersten und gravierendsten Eindrücke die mich ein Leben lang bis zum hutigen Tag, und wohl sicher auch in Zukunft bis zu meinem Tode mit mir tragen werden ist die Musik der 60er Jahre. Diese Art von Musik bewegte die Jugend und die Welten. Im Hause meines Großvaters wohnten unter dem ausgebauten Dachstuhl meine beiden Onkels, die Brüder meiner Mutter, die nur selten zugegen war, so daß ich mich an Sie eigentlich nur durch Erzählungen anderer aus dieser Teit kenne. Meine beiden Onkels hatten immer Musik am laufen, Musik die damals die Jugend bewegte und Sie in eine musikalische Rebellion versetzte.

Wer kennt Sie nicht, die Beach Boys, die mit “Help me Rhonda” und “Barbara Ann” täglich ebenso present waren wie Simon and Garfunkel mit Ihrem Song “Sloop John B”. Und wie überall durften auch die guten Beatles nicht fehlen. Songs wie “Can’t buy me Love”, “Eight Days a Week”, “Love me Do”, “Paperback Writer”, “Help”, “She Loves You”, Yellow Submarine” oder “Let it Be” waren ein täglich mehrfaches MUSS HÖREN UND MITSINGEN oder sollte ich es besser mitgröhlen nennen? Es verging kein tag ohne diese Songs und wenn kanbn es da schon wundern, daß cih immer irgenwie schaffte die steile (und natürlich verbotene) Dachboden Leiter, die zur Musik meiner Onkels führte, doch immer wieder erklettern konnte. Nicht nur war ich immer da, wo ich nicht hinsollte, und verstieß damit natürlich auch gegen das Verbot, dort nicht hinaufklettern zu dürfen. Doch die Anziehungskraft der magischen Musik war immer größer, als die Angst vor Bestrafung.

Auch meine Oma hatte Ihre eigene Musik, es mußte dann aber eher Deutsch gesungen werden. Sie konnte alle Lieder vom Kinderstar Heintje in und auswendig und ich durfte das mit Ihr so oft anhören, bis ich alle Texte ebenso auswendig mitsingen konnte. Oft hielt Sie mich im Arm vor allem wenn Sie Elvis Presleys “Muss i denn zum Städele hinaus” mit trällerte.

Wer kann sich nicht geliebt fühlen bei einer überall singenden Familie die immer Musik zum abspielen hatte? Ich erinnere mich noch sehr genau an den Koffer Plattenspieler meiner Onkels, das war schon etwas ganz besonderes zu dieser Zeit. Eigentlich für die meisten in der Nachkriegszeit etwas unerschwingliches, wo es doch so viel wichtigeres zu bezahlen gab.

Der erste Plattenspieler meiner Onkels war im Normalen Zustaand ein tragbarer Koffer. aufgelappt hatte man den Platenspieler auf den die Vinylplatten gelegt wurden, danach wurde die unter dem Kopfende des beweglichen Armes versehene Nadel vorsichtig auf die Schallplatte aufgelegt um Sie abzuspielen. Im Deckel des Kofffers war ein lautsprecher mit einem Höhen und Tiefen Regler, sowie eines weiteren drehbaren Lautstärke Reglers, mit dem man die Lautstärke regulieren konnte. Der Lautsprecher war durch ein Kabel verbunden. Ein weiteres Kabel wurde an die Stromzufuhr aus der Steckdise angeschlossen. Das oben genannte Model was das erste Model meiner Onkels. Diese konnte Musik allerdings nur in Mono Musik Qualität liefern. Heutzutage lieben wir Dolby Surroundsound Systeme. So etwas gab es damals noch gar nicht. In späteren Jahren kauften meine Onkels sich beide jeweils ein Stereogerät von Dual das dann mit zwei Standlautsprechern eine sehr viel bessere Klangqualität erzeugte (siehe das untere Bild).

Die Aera des Rock ‘n’ Roll hinterlies hrundlegende Spuren in der Jugend. Die meisten Jungs hatten, mit angeföhnter Haartolle, auf den mittlerweile sehr populären Vespa Motorrollern vor den Mädchen angeben müssen, um auf sich auch richtig aufmerksam zu machen. Wer keine Vespa hatte war kein Mann! Logisch, daß einer meiner Onkels auch so ein Ding hattte. hier ein Bild von einer Vespa, für diejenigen unter Euch die so etwas nicht kennen:

Mein Onkel war so lieb mich den halben Tag zwischen seinen Beinen stehend, vor Opas Haus den Berg rauf und runter zu fahren, bis ich fast am einschlafen war und man mich leicht zu Bett bringen konnte. Ich hätte das stundenlang geniessen können, und jedesmal wenn wir einmal runter und wieder hoch gefahren waren, kam von mir an Onkel die Anordnung: NOCHMAL!

Mädchen waren dabei in Stöckelschuhen mit hohen Absätzen und Pettyoats auf sich ebenso aufmerksam zu machen. Apropos Pettycoat: Mein Leben lang hat man mir erzählt, daß meine Mutter auch einmal so einen Pettycoat hatte. In Pink mit pinkfarbenen Punkten darauf, das müßte dann in etwas so ausgesehen haben:

nur eben mit pinkfarbenen Punkten anstelle der weissen, oder – grins – stellen Sie sich mal Spinatgrüne Punkte auf dem rosa vor!

Jahrzehnte lang hieß es, daß ich als Kleinkind wohl geschafft hätte, den einzigen Pettycoat meiner Mutter vor einem wichtigen Tanzabend zu ruinieren, so wurde mir immer wieder vorgehalten. Es wurde gesagt, daß Sie den wohl anhatte, als Sie mir Spinat fütterte, bevor Sie ausgehen wollte. Ich habe daran keine eigene Erinnerung , aber es wird behauptet, daß ich Spinat gar nicht aussstehen konnte und damit wohl feinste Spinatpunkte auf Ihrem Pettycoat darüber gesprudelt hätte. Ich habe mich immer herausgeredet, und behauptet das frische grüne Punkte besser aussehen als pinkfarbene. heutzutage wundere ich mich auch warum das meine Schuld gewesen sein soll. Man zieht doch nicht das beste Ausgehkleid an, wenn man einem Kleinkind Spinat füttert, das muß doch schief gehen oder?

Als ich jung war habe ich mich immer schuldig gefühlt, wenn man die Geschichte erzählen begann, heute mit eigenen Kindern und Enkeln weis ich. daß man kein Abendkleid zum Spinat füttern anzieht und fühle mich daher schuldlos.

Bitten teilen und/oder kommentieren, VIELEN DANK!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Translate »
WhatsApp WhatsApp mit mir